filmgedanken

Chinatown

In drama, horror, thriller on Januar 28, 2012 at 2:14 pm

OT: Chinatown, USA 1974, R: Roman Polanski, B: Robert Towne

Wir leben in Zeiten – auf das Kino bezogen – in denen fast alles zumutbar ist. Nichts schockiert den Vielseher mehr. Zumindest was das Zeigen von expliziter Gewalt betrifft. Ein wenig Zucken läßt sich aus dem müden Zuschauer noch herauskitzeln, wenn es an die Penetration (ja, genau!) von Zehen- oder Fingernägeln, Haaren und vor allem Augen geht.

Nachvollziehbar.

Als im Fernsehsessel behütet abgelegter Zuseher hat man sich bestimmt schon mal schmerzhaft einen Nagel eingerissen, gefühlte Stunden damit verbracht den Kopf gegen den eigenen Selbsterhaltungstrieb beim Verabreichen von Augentropfen mit aller Gewalt zu halten, oder die blanke Angst beim Verlust der eigenen Kopfhaare erfahren müssen. Schlimm genug.

Der blanke Horror, der uns alle durch unseren Alltag begleitet und immer als stete Gefahr unter der Oberfläche des Alltäglichen schwelt. Ob wir das nun wollen, oder nicht.

Sich dessen bewußt zu werden und dagegen anzukämpfen kostet Zeit, Kraft und ein bißchen Mut – bei den Augentropfen sogar sehr viel Mut. Und dann kommt Meister Polanski daher und durchbricht die alte und irgendwie akzeptierte Ordnung. Er spielt mit unseren Ängsten wie er es schon immer tat. Es kümmert diesen kleinen Mann überhaupt nicht, daß ich wieder mit mir werde ringen müssen.

Tagelang werde ich wieder um meine geliebte Nase fürchten müssen. Jede kleine Unebenheit am Gesichtszentrum, jedes Jucken, jedes Drücken wird sich bis zum Unerträglichen steigern und mir schier den Verstand rauben. Das filmische Gefühlszentrum meiner Selbst ist meine eigene Nase.

Für die nächste Zeit. Ganz sicher!

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