filmgedanken

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The Artist

In drama, Kino, komödie, romantik on März 29, 2012 at 6:11 pm

OT: the artist, FRA, BEL 2011 R, B: Michel Hazanavicius

Es gibt Multiplexkinos. Steril (nicht unbedingt von der Sauberkeit her, schon klar), gesichtslos. Rein auf den finanziellen Erfolg und das Durchschleusen von Hunderschaften an zahlungsfreudigen Gästen ausgelegt.

Wahre Filmfreunde begeben sich selten und nur unter Druck in diese Äquivalente der modernen Massentierhalung und lassen sich dementsprechend auch nicht mit der vorgesetzten Massenware abspeisen. Der geneigte Filmfreund, der sich selbst als Connaisseur, ja Liebhaber der Filmkunst versteht begibt sich nicht in diesen Schmutz zum Pöbel. Er kleidet sich in seinen edelsten Rollkragenpullover, rückt die Hornbrille (ich entdecke da ein Muster) zurecht und zwingt den Partner seiner Wahl zur Begleitung – irgendwer muß sich ja im Anschluß (wenn es wenigstens der Anschluß wäre) die philosophisch entrückten Deutungskonstrukte anhören und honorieren. Man applaudiert sich schließlich nicht selbst.

Derart gerüstet wagt man also den Weg – mit umweltschonenden öffentlichen Verkehrsmitteln versteht sich – in das kommunale Programmkino.

Hier wird Filmkunst noch zelebriert. Hier lächeln einem die Filmsternchen besserer Zeiten von den Wänden entgegen. Als Kino noch bewundert wurde. Als der wohlige Geruch von Zigarren, Whiskey und Zelluloid noch die Luft erfüllte. Hier wird Film geliebt. Hier ist der Cineast zu Hause. Hier bangt der Besitzer jeden Monat aufs Neue um seine Existenz. Es ist so romantisch.

Versteht sich ja von selbst, daß man es hier mit den besseren Menschen der Gesellschaft zu tun bekommt. Hier gibt es keine gegen die Kinosessellehne tretenden Pennäler. Keine popcornknuspernden Störenfriede. Keine mit dem Mobiltelephon spielenden Jugendlichen. Niemand der im Kino flüstert. So schön.

In so einer Welt würde ich gerne leben. Ich möchte einen mutigen und erstaunlich hochgelobten Film in all seiner Größe, seiner Genialität genießen. Ich möchte so gerne in meinen Seh- und Hörgewohnheiten herausgefordert werden. Ganz den Bildern, der Musik folgend möchte ich in der Leinwand verloren gehen und mich in einem ganz eigenen Leben wiederfinden.

Tja, das kann ich dann wohl nur noch zu Hause. Oder vielleicht doch eher wieder in einem Multiplexkino. Da kann ich in all der geschaffenen Isolation nämlich auch mal meinen Nachbarn zurechtweisen, wenn er laufend in den Film quatscht, ohne gleich eine Diskussion über mich ergehen lassen zu müssen. Der klassische Multiplexgast schafft das schließlich kaum.

Was ist denn mit den Menschen los? Müssen sie in einen Film rennen, der sie objektiv betrachtet überhaupt nicht interessiert, bloß weil er so viele Preise abräumt? Nur um dann über den Wurmbefall ihrer Hauskatze – Johanna mit Namen – zu reden? Sogar zu schnarchen und Popcorn über drei Sesselreihen hinweg zu reichen?

Schön, daß sich dann der ein oder andere in seiner Ignoranz wie zum Hohn sogar den Film zu loben traut, den er kaum wirklich verfolgt haben kann.

So nahe an einem Duchovny war ich wirklich noch nie…

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Vorne ist verdammt weit weg

In komödie on März 29, 2012 at 5:36 pm

OT: Vorne ist verdammt weit weg, D 2007, R, B: Thomas Heinemann, B: Frank-Markus Barwasser

Was macht denn eigentlich einen Film zu einem bösen Film?

Zynismus? Gewalt? Grenzüberschreitung? Ein Lächeln zum falschen Zeitpunkt?

Und was ist denn eigentlich „böse“?

Keine Sorge, ich werde jetzt hier keine philosophische Abhandlung über das Böse an sich und seine in uns allen schlafende Form über das Internet ergießen. Damit ist das arme Ding schon zur Genüge gefüllt und ich will auf keinen Fall der berühmte Tropfen sein, der es zum Überlaufen, oder Platzen bringt.

Oder doch? Wäre das, mal abgesehen von der absurden Idee es könnte vielleicht sogar klappen nicht sehr böse? Das reine Böse?

Wenn ich mir das vorstelle: mein Name, für immer und alle Zeiten mit der Zerstörung des Internets verbunden. Das reinste Böse mit meinem Namen verwoben. Untrennbar. Mein Bild im Lexikon zum Eintrag „böse“.

Wow. Das ist nicht böse. Das ist diabolisch. Aber, und jetzt kommt der Knackpunkt, wenn mir das gelänge, könnte es ja kaum einer erfassen. Mein Name würde ziel- und planlos durch die Köpfe einiger Weniger schwirren und nicht für immer bestehen, sondern im entstehenden Chaos auf nimmer wiedersehen versinken. Das war es dann mit der Berühmtheit. Außerdem gibt es klassische Lexika ja gar nicht mehr. Damit ist der Traum geplatzt.

Konsequenz: ich mach es dann mal nicht.

Conan

In action, drama, romantik on März 29, 2012 at 5:33 pm

OT: conan the barbarian, USA 2011, R: Marcus Nispel, B: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Sean Hood, Robert E. Howard

Als Kind der 80er Jahre gibt es Vieles, was ich in den tiefsten Tiefen meiner geschundenen Seele für immer und ewig zu verstecken gedenke. Alleine der Gedanke an Schulterpolster, Spandexhosen und Vokuhilas läßt mich schaudern.

Aber es gibt sicher auch viele schöne Dinge, die es an den 80er Jahren zu mögen gilt. Ein tolles Jahrzehnt für Filme war es zum Beispiel. Ach ja…

Und ein Jahrzehnt in dem so Vieles möglich schien. Was es in diesem Jahrzehnt im Überfluß zu geben schien waren ja zum Beispiel Muskeln. Na klar!

Ein Arnold Schwarzenegger trat in das Leben von Millionen. Ich gebe zu, in mein Leben trat er rückwirkend schon 1979, aber im Großen und Ganzen und in Anbetracht der filmhistorischen Präsenz war es das Jahr 1982, in dem der – für Hollywoodverhältnisse – große Mann zu einem Begriff wurde. Geradezu zu einem Innbegriff für Kraft, Stärke, Männlichkeit (man denke nur an das Kinn) und sexuelle Anziehung (viele Frauen behaupten auch heute noch, sein Po als Terminator habe sie für immer für andere Männer verdorben). Wohlgemerkt das Alles für die 80er Jahre. Heute funktioniert das so nicht mehr.

Kraft und Stärke wirken nur noch in der Überwindung der Schwäche. Männlichkeit protzt heute nicht mehr. Sie findet ihren Ausdruck in intellektueller Überlegenheit und vielleicht Glatze. Und wohin es mit dem Sexappeal der Männer geht, das verstehen heute vielleicht noch die Optiker und der ein oder andere Holzfäller. Aber sicher nicht mehr der liebenswerte Steroiddealer aus der Muckibude von nebenan.

Dachte ich. Aber das ölige, kantige und selten augenzwinkernde Zurschaustellen von blanken Muskeln und markanten Kinnpartien erfährt ein Revival. Jason Momoa heißt es und tritt nicht nur in die Fußstapfen eines Arnold Schwarzeneggers, sondern ist auch eines der vielen Gesichter der phantastischen Serie GAME OF THRONES. Momoa steht in vorderster Front und führt die Reihen der vielen namenlosen Fleischberge in neue, kaum noch möglich erscheinende Glanzzeiten zurück. Geebnet hat diesen Weg zwar das latent homoerotische, faschistoide Einklebealbum bewegter Bilder von 300, aber jetzt und heute, in den 2010er Jahren ist es so lebendig wie nie.

Ich fürchte ja nur, daß das bedeuten wird, daß bald wieder Frauen in viel zu großen Anoracks und Hochwasserhosen die Straßen fluten und Männer zurück zu Karottenschnitthose und Hornbrille kehren könnten. Schreckliche Vorstellung.

Dame, König, As, Spion

In drama, Kino, thriller on März 21, 2012 at 7:11 pm

OT: tinker, tailor, soldier, spy, FRA, UK 2011 R: Thomas Alfredson, B: Bridget O’Connor, Peter Straughan, John le Carré

Originaltonfanatiker. Das bin ich. Zumindest soweit ich es mir gegenüber verantworten und ertragen kann. Darüber weiß ja auch Mel Gibson schon ein Liedchen zu singen – in schlechtem Schottisch natürlich.

Nicht, daß ich jetzt den neusten Streich der mongolischen Filmwelt mit französischen Untertiteln jedem anderen Werk vorziehen würde. Ich habe auch meine Grenzen. Aber wer weiß schon, was da noch kommen mag?

Um den Originalton soll es jetzt auch gar nicht gehen. Aber um den Titel. Vom Standpunkt des Markenaufbaus ist es mir stets ein Rätsel, warum Filmtitel – vorzugsweise vom Englischen ins Englische – überhaupt übertragen werden, respektive wieso die Produzenten dies erlauben. Könnte etwas damit zu tun haben, daß man wieder mal weniger an allgemeinem Ruhm, als vielmehr am Geld interessiert sein mag. Da spielt sicher die Psychologie eine wichtige Rolle, auch wenn jeder das jetzt sofort dementieren wird.

Aber mal ehrlich: wenn ich die Wahl habe als deutscher Zuschauer der armen Kreatur an der Kinokasse klar ins Gesicht zu sagen, welchen Film ich sehen will, oder dieser ins Gesicht zu spucken, dann wähle ich meist ersteres. Bin ja entgegen gängiger Meinung kein Misantroph. Und wenn dann ein Trockener.

Damit ist ein deutscher Titel einem „th“-lastigen Titel klar vorzuziehen. Ein Mysterium warum dann ausgerechnet Shyamalan mit seinem ersten – und einzig wirklich noch guten – Film solch einen Erfolg haben konnte. Hab ich mich jetzt selbst in meiner Argumentation ausgehebelt? Und wenn schon.

Deutscher Titel! Von meiner Seite eine kluge Entscheidung.

Doch was, wenn der Verleih nun den Titel einer Literaturverfilmung auf dem Tisch liegen hat, dessen Übersetzung schon besteht und im Buch auch mit einem neuen, sinnvollen Bezug versehen werden konnte, nun aber dummerweise in Bildform nicht mehr funktioniert?

Dann werden klar zu erkennende Schachfiguren eben zu Karten. Sehr albern… scheint aber keinem in der Übersetzung aufgefallen zu sein. Kann auch egal sein – mich stört sowas aber.

Happy – Go – Lucky

In Uncategorized on März 12, 2012 at 8:43 pm

OT: Happy – Go – Lucky, UK 2008, R, B: Mike Leigh

happy go lucky

Freddy Krüger?

Jason Vorhees?

Michael Myers?

Jigsaw?

Chromeskull?

Marie?

Nein!

Hass, Furcht, Verwirrung und Verlorenheit. Ich frage mich ständig warum.

Keine Antworten, keine Erlösung. Und zum Ende bricht mich das Gezeigte. Keine Kraft zum Weinen, keinen Mut zum Lachen. Verstörung! Scherben und Elend…

 

Antwort:

 

 

The Child – die Stadt wird zum Alptraum

In drama, thriller on März 12, 2012 at 8:38 pm

OT: Chi l’ha vista morire, ITA 1972, R, B: Aldo Lado, B: Fransesco Barilli, Massimo D’Avak, Ruediger von Spiess

Ah… Venedig!

Tatsächlich können Filme in ihrem eskapistischen Auftrag einen Ersatz fürs Reisen darstellen.

Wenn mir ein Film angenehme, warme Gefühle von Heimeligkeit und Geborgenheit vermitteln will, dann glaube ich das nie so richtig. Film soll – und da wiederhole ich mich – eben doch in erster Linie Geld in die Kassen der Produzenten spülen. Wenn die Macher eine Botschaft transportieren können, dann ist es eine Leistung und an sich schon Kunst.

Filme, die allerdings keine eskapistischen Ziele verfolgen, die reizen mich noch viel mehr zum Verreisen. Eine Welt kennenzulernen, die es in ihrer dargestellten Härte, Hässlichkeit und Boshaftigkeit geben könnte, das ist eine sehr spannende Sache. Daran teilzuhaben kann mir stärkere Gefühle vermitteln, als es eine virtuelle Traumreise je könnte. Ich bin insofern ein Filmmasochist.

Wie heißt es so schön: Nur Filme die beißen hinterlassen Spuren!

Weg mit den SISSI-, und anderen Postern von allen möglichen Machwerken. Reisebüros in denen Plakate von THE CHILD, oder WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN hängen, die lassen mich verreisen. Und auch wenn es nur im Geist sein sollte.

Octalus – der Tod aus der Tiefe

In action, horror on März 2, 2012 at 4:38 pm

OT: Deep Rising, USA 1998, R, B: Stephen Sommers

Zuletzt die Wassermetapher an den Haaren gepackt und mit ihr den Boden gewischt. Was ich von mir selbst erwartet habe, hat sich ja nun bestätigt.

Das Kabelfernsehen bleibt jetzt erstmal aus. Ein echtes Meisterwerk hat mich in diesem jungen Jahr neu geerdet. Der Kontakt zwischen Zuschauer und Medium muß unmittelbarer sein, das habe ich gelernt. Kino kann also wirklich heilbare Wirkung haben.

Nicht von Werbeblöcken durchsetzt, sondern reine Augen-Film-Kommunikation – und die Ohren sind auch dabei.

Aber Kunst muß es ja auch nicht immer gerade sein. Unterhalten darf das schon.

Unterhält Kunst denn zwangsläufig nicht? Oder kann Unterhaltendes keine Kunst sein? Ich erinnere mich an meine Versprechen… deswegen gehe ich da mal nicht näher drauf ein.

Ergebnis: Kino im Kleinformat. Fernseher auf DVD- oder BluRayplayer voreinstellen. Gar nicht erst zufällig über ein Fernsehbild stolpern um eventuelles Liegenbleiben zu verhindern.

Direkter Konsum. Ungetrübte Freude.

Und dann, nach all diesem gutbürgerlichem und hochtrabenden Unsinn eben Trash. Mir macht das nichts. Schließlich wird ja intellektuell der begonnene Bogen zur Wassermetapher geschlossen.

 

Drive

In action, drama, Kino, romantik, thriller on März 2, 2012 at 4:33 pm

OT: Drive, USA 2011, R: Nicolas Winding Refn, B: Hossein Amini, James Sallis

Die Idee war ja, Gedanken während, oder nach einem Film festzuhalten. Irgendwie habe ich es ja geahnt, daß das schwieriger werden würde, als zu Beginn gedacht. Die Artikel wurden länger, die Filme nicht grundsätzlich besser – daran angepaßt die Gedanken.

Daraus schließe ich für mich, daß es meine Filmseele nach Zweisamkeit, nach Intimität zwischen einem Film und meinen Gefühlen in einem dunklen Kinosaal dürstet. Wenn der ganze Dreck aus den dunklen Ecken nicht mehr zu entfernen ist, dann muß man alles fluten. Ganz nihilistisch abreißen um Neues entstehen lassen zu können. Aus dem Nichts trifft ein zarter Samen auf fruchtbaren Boden.

Die Ranken wachsen und schlingen sich um mein Herz. Sie haben mich vollkommen im Griff und auch wenn ich weiß, daß in diesem dichten Dschungel nichts Weiteres wird Fuß fassen können, bin ich glücklich.

 

Nightmare

In Uncategorized on März 2, 2012 at 4:27 pm

OT: Nightmare, USA 1981, R, B: Romano Scavolini

Glaube kann Berge versetzen. Davon sind einige Menschen überzeugt. Glaube kann aber noch viel mehr, als nur Berge versetzen. Welchen Zweck soll das Versetzen von Bergen auch haben? Man könnte die ein oder andere Küste tiefgelegener Länder vor dem Abschmelzen der Pole sichern. Natürlich nur so eine alberne Überlegung.

Darum soll es ja hier auch nicht gehen. Glaube kann einem aber verdeutlichen, daß die Vorstellung, vielleicht auch die Phantasie stärker ist, als die Wirklichkeit.

Wirklichkeit in Bezug auf Film ist natürlich ein in sich bestehendes Paradoxon. Wie die Feststellung Haie seien an Land langsamer, als im Wasser.

Warum also glaube ich einem Gerücht, welches mir bislang in einigen Jahren von Filmversessenheit nie untergekommen war? Auf einmal begegnet mir ein Film, der mich in dem, was ihn ausmachen soll in meiner Teenagerzeit sicher hätte aufhorchen lassen. Lustigerweise stammt der bei mir angekommene Teil des Hypes nicht aus dem Internet, einem einschlägigen Magazin, oder womöglich einem zwielichtigen Gespräch bei einem Filmfestival. Die aberwitzige und um Nichts in der Welt zu haltende Übertreibung stammt aus meiner eigenen Umgebung. Mag sein, daß der Blödsinn dort auf einem der oben genannten Wege eingedrungen war. Trotzdem macht es diese Erkenntnis nicht besser.

Heute, da opfere ich kostbare Schlafenszeit, nur um nicht vielleicht doch eine schmutzige Perle vergessener Zeiten zu verpassen. Auf der Suche nach dem Niegesehenen, dem Schockierenden, dem Endgültigen wälze ich mich immer wieder im Dreck. Mache mich dabei sehr schmutzig – fühle mich danach zumindest so – doch lerne nichts daraus.

Vielleicht ein bißchen kritischer zu werden? Vielleicht!