filmgedanken

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Planet der Affen: PrEvolution

In action, drama, thriller on April 20, 2012 at 6:10 am

OT: rise of the planet of the apes, USA 2011, R: Rupert Wyatt, B: Rick Jaffa, Amanda Silver, Pierre Boulle

Typecasting ist eine sichere Bank. Jedenfalls für die Produzenten eines Filmes. Besetzen die eine Rolle mit einem Darsteller, der eine vergleichbare Figur schon mehrfach verkörpern durfte, so können sie sich sicher sein, daß diese Besetzung zumindest die Zuschauer ins Kino treiben wird, die schon die vorhergegangenen Filme mit eben jenem Schauspieler goutiert haben. Eine breite Akzeptanz in der zahlenden Kundenschicht ist damit schon fast sicher.

Aber das Typecasting hat ein wenig abgenommen. Früher gab es DEN Westernhelden! Es gab DIE Sexbombe! Es gab DEN drolligen Sidekick (in US-Produktionen)! DIE Einmannarmee (allerdins in mehrfacher Ausführung und jeder gewünschten Konfektionsgröße). Das kann man nach Belieben fortsetzen.

DIE Einmannarmee gibt es heute auch noch. Sogar in modern – obwohl die alten Helden sich hartnäckig halten und ihr Erbe irgendwie nicht weitergeben wollen.

Es gibt immer wieder mal Schauspieler die in die typischen Muster zu passen scheinen, aber heutzutage ist es erstrebenswert eben nicht in die Konfektionsware zu passen. So versuchen selbst offensichtliche Typen gegen ihren Fluch anzuspielen. Nicht immer mit Erfolg. Ach was: so gut wie nie mit Erfolg!

Typecasting bezieht sich heute nicht mehr auf einen Typ der eine Hülle braucht. Es geht mehr um Kassenerfolge. Je nach Budget steht damit die Wahl von DER Pseudoindependentmagnet bis hin zu DER Sommerblockbustergarant.

Das klassische Typecasting stirbt ein wenig aus. Kann man begrüßen- ich betrauere es ein wenig. Nichts ist so schön, wie einfache und klare Weltbilder. Und dazu gehören nunmal auch eindimensionale Typen. Und die gehen mir heute ab.

Einen richtigen Typ scheint es aber noch zu geben. Kaum jemand kennt sein Gesicht, aber seine Schauspielkunst ist unbestritten. Es ist ja toll, daß dieser Ausnahmeschauspieler seine Erfolge hat, aber mal ganz ehrlich: wer will denn in allen Castingagenturen in der Kartei als DER Affe stehen?

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Robocop

In action on April 20, 2012 at 6:05 am

OT: RoboCop, USA 1987, R: Paul Verhoeven, B: Edward Neumeier, Michael Miner

Selbstzweckhafte Gewaltdarstellung. Was ist das? Es existierten all die absurden und oftmals peinlichen Diskussionen – vorzugsweise im Internet – nicht in diesem Ausmaß, wenn es klare Vorgaben zur Interpretation von selbstzweckhafter Gewalt gäbe. Denken manche.

Aber es gibt klare Interpretationsgrundlagen. Und den schönsten möchte ich gerne mal in oberflächlicher und nicht endgültiger Art für mich selbst diskutieren.

Es geht um die Indizierung. Und vor allem soll es darum gehen, wann es ein Werk nicht treffen wird.

„der Inhalt ist als nicht jugendaffin anzusehen“

Ui! Was heißt denn das? Wenn ich mich an meine eigene Jugend zurückerinnere, dann gab es einfachste Mittel, mich als pickeligen Teenager zu begeistern. Neben Nacktheit und Monstern in jeglicher Ausführung war es vor allem eines. Nämlich Blut! Blut, Blut, Blut! Möchlichst reichlich und möglichst rot. Ich erinnere mich an die heute absurd und vorpubertär wirkenden Diskussionen über den blutigsten Film aller Zeiten. Eine Frage, die auch die heutige Jugend noch zu elektrisieren vermag. Schon ulkig. Von der heutigen Warte aus, wirken solche Überlegungen mit all ihren Argumenten nichtig und klein (vor allem über den Wolken). Wie konnte man denn als Kind nur so viel Zeit und Energie in die Suche nach der Antwort zu einer solchen Frage verpulvern? Wieso war selbst das sexuelle Erwachen nicht so spannend, wie die Befriedigung der Neugier des nach Filmblut lechzenden Jungspundes? Naja, Ersteres war schon ein bißchen spannender, aber mit mehr Mühe und Anstrengung verbunden, und beides mag man als schluffiger Teenager nicht sonderlich. Deswegen hält meine wackelige These in meinen Augen stand. So! Zurück zum Thema:

Ich kann das heute kaum noch nachvollziehen. Aber ich bewundere die Hartnäckigkeit, mit der man damals solchen Fragen nachgehen konnte. Und auch die Beständigkeit eben jener Frage. Denn wie ich erst neulich in einer Bahn des öffentlichen Nahverkehrs belauschen mußte (aufgrund der Stimmgewalt der jungen Herren und einer Dame – das hätte es früher nicht gegeben!) ist eben jene Frage nach dem blutigsten Film aller Zeiten weiterhin en vogue. Irgendwie bizarr, aber irgendwie auch sehr sehr schön. Manche Dinge ändern sich einfach nicht!

Und was ist jetzt keine selbstzweckhafte Gewaltdarstellung, wenn Blut und Morde an sich schon jugendaffin wirken?

 

Meet the feebles

In action, drama, romantik on April 11, 2012 at 6:13 am

OT: meet the feebles, NZ 1989, R, B: Peter Jackson, B: Danny Mulheron (!), Stephen Sinclair, Fran Walsh

Sehr geehrte Damen und Herren.

Gerne möchte ich die einmalige Gelegenheit wahrnehmen in Ihrem sehr ambitionierten neuen Werk eine Rolle zu bekleiden. Schon als ich hörte, wer kreativ alles beteiligt sein soll, war ich sehr interessiert. Auch die ersten Abrisse der Geschichte, die an die Öffentlichkeit geraten sind, faszinieren mich zutiefst. Ich bin absolut begeistert und davon überzeugt es mit einem die Filmwelt verändernden Meilenstein zu tun zu haben. Und die Möglichkeit daran teilzuhaben möchte ich auf keinen Fall verpassen.

Vielleicht sind meine Chancen auch dadurch günstig, daß ich schon mit dem verantwortlichen Regisseur zusammenarbeiten durfte. Nicht einfach in einer Statisten- oder Nebenrolle, nein, ich bekleidete die Hauptrolle in einem seiner wegweisensten Werke. Er war mit meiner Präsenz sehr zufrieden und unsere Zusammenarbeit war sehr fruchtbar und meine Darstellung gewann viele wichtige Preise.

Sie sehen also, ich bin wie prädestiniert für die Hauptrolle in Ihrem neuen Film.

Meine Rolle war vielschichtig angelegt. Eine klassische Außenseiterin, die erst im Verlauf des Filmes ihres eigenen Dramas gewahr werden durfte. Im Wandel von Fröhlichkeit zu tiefster Trauer durchlebte die von mir dargestellte Figur alle Höhen und Tiefen der menschlichen Gefühlswelten. Um richtig in meine Figur zu passen, mußte ich mich mit ihr so eng wie möglich identifizieren und nahm auch gut 20 Kilo zu.

Zu guter Letzt meisterte ich sämtliche künstlerische Herausforderungen an die Rolle und verbrachte einige Monate mit dem transsexuellen Martha Mutig, um mich auf die schwere Aufgabe eine Frauenrolle überzeugend dem Zuschauer zu verkaufen vorzubereiten.

Die Rolle der Heidi in Peter Jacksons MEET THE FEEBLES hat mich also perfekt für Hollywood und schwierige Charakterrollen vorbereitet. Sie werden noch viel von mir hören.

Mit Hochachtung,

Danny Mulheron

Doomsday – Tag der Rache

In action, thriller on April 11, 2012 at 6:12 am

OT: Doomsday, D, UK, RSA, USA 2008, R, B: Neil Marshall

Wer als Filmverrückter nicht gleich die Nase rümpft bei Filmen, die die niederen Gelüste erfreuen wollen, dem ist das sogenannte GRINDHOUSE ein Begriff. Beide dabei entstandenen Werke sind hübsche, kurzweilige Unterhaltung geworden und sprühen beide vor Spaß, den ihre Macher sicher bei ihrer Produktion empfunden haben dürften. Witzig eingentlich, wenn ich darüber nachdenke: inhaltlich ganz klare Exploitation, aber rein finanziell gesehen zuerst kein Erfolg.

Die Wellen, die die Werke in einer gewissen Fanszene geschlagen haben, spülten aber dann doch den ein oder anderen Nachzügler und -ahmer aus dem Matsch. Da man nie zum Sichten eines Films gezwungen wird – es sei denn man ist Kritiker, schon klar – begrüße ich diesen neuen, alten Mut zum Zitatenkino. Ich habe daran meistens meine Freude.

Einen entscheidenen Anteil am verspäteten auch monetären Erfolg des Produkts hatte sicher auch die Fake-Trailer-Reel zwischen den Filmchen. Da durften sich mal einige Filmemacher so richtig austoben. Verschroben, blutig, oder subtil. Alle gelungen.

Wie die Auswahl der entsprechenden Regisseure gefallen sein mag, kann nur spekuliert werden (es sei denn, jemand weiß mehr). Ein Eli Roth als Ziehkind eines Quentin Tarantino scheint eine logische Wahl. Auch ein Rob Zombie als alter Freund der „Familie“ sieht wie eine nachvollziehbare Besetzung aus. Und ja, auch die Ausspielung der Edgar Wright Karte ergibt Sinn. Schließlich ist das der Mann, der das Zombiefilmgenre zu neuem Leben erweckt und quasi im Alleingang dafür gesorgt hat, daß uns jetzt doch noch die Zombies sinnbildlich überschwemmen (verdammt seist Du!).

Daß dann aber trotzdem einige der fleißigsten Genre-, ja Exploitationfilmer übergangen wurden und sich dabei ganz schlecht gefühlt haben müssen ist wohl als Kollateralschaden zu vermelden. Schade irgendwie.

Die Trotzreaktion in Filmform überzeugt aber und wer weiß, vielleicht darf der gemütliche Brite ja doch noch mal ran. Ich fänds gut:

„Ich würde einen Trailer über einen Film namens BIG FOOT VS. JEDI machen, mit viel Blut!“ Die Hälfte hätte ich da schon…

Hugo Cabret

In drama, Kino, komödie on April 11, 2012 at 6:10 am

OT: Hugo, USA 2011, R: Martin Scorsese, B: John Logan, Brian Selznick

Ich lebe in einer Touristenstadt. Was neben vielem Anderen dazu führt, daß man, sobald man sich ins historisch relevante und von neugierigen Kameralinsen durchzogene Zentrum wagt, Dinge in die Finger bekommt, die so gar keinen sinnvollen Zweck erfüllen wollen. Dazu gehören neben den obligatorischen Schlüsselanhängern in Lebkuchenform, wohl auch niedliche, kleine, altmodisch anmutende Dioramen, die Orte, oder sogar Ereignisse der fremden Stadtgeschichte ins eigene japanische, oder russische Wohnzimmer bringen sollen.

So etwas zu betrachten hat schon seinen ganz eigenen Charme. Zugegeben. Aber ohne jetzt die Stoppuhr in einem aufreibenden Selbstversuch bemühen zu müssen, kann ich doch schwer davon ausgehen, daß man sich an all der Niedlichkeit und Flachheit schnell sattgesehen haben dürfte. Flache Pappkameraden, stehen vor flachen Fassaden, Mauern und Büschen. Hintereinander, leicht versetzt um eine Illusion von Räumlichkeit hervorzurufen, die zwar funktionieren mag, aber doch schnell als simple Fingerübung, ja als Jahrmarktspielerei enttarnt ist.

Kein moderner Mensch zahlt heute Geld, um sich von Dioramen verzücken zu lassen. Schon gar nicht in einem Theater. Wir leben im Zeitalter der bewegten Bilder. Von so einer billigen Effekthascherei läßt sich doch heute keiner mehr hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorziehen. Höchstens vielleicht mit einem Köder. Einen Hauch von Exklusivität muß er versprühen. Durch seinen Einsatz einen unausweichlichen Nutzen nach sich ziehen. Einen Aufpreis von bis zu fünf Euro muß er rechtfertigen. Hm… Ein Accessoire, wie es Menschen von heute unbedingt haben müssen. Was könnte das nur sein?

The Shrine

In horror on April 6, 2012 at 6:10 am

OT: the shrine

USA 2010

R, B: John Knautz

B: Brendan Moore

Ich bin kein großer Freund von Anglizismen. Vor allem dann nicht, wenn sie nur vorgeben welche zu sein, aber eigentlich einem meist wirren und meist deutschen Hirn entsprungen sind. Was soll das denn?

Dennoch muß ich mich heute eines Anglizismus bedienen. Es gibt dafür einfach kein wirklich passendes und treffendes Wort im Deutschen – vielleicht täusche ich mich auch mal wieder und jemand kann mir auf die Sprünge helfen. Man lernt nie aus.

Twist!

Jetzt ist es raus. Ich mag es, wenn ein Film mich überrascht, mich an der Nase herumführt und mir die Keule der Verwunderung über die Rübe zieht. Ich lasse mich gerne von Regisseuren und Drehbuchautoren verarschen. Ich genieße das. Wenn ein Werk es mal wieder geschafft hat mein geübtes Filmauge (das Linke übrigens) zu täuschen, dann bin ich begeistert und verzeihe so vieles Andere. Billige Effekte? Kein Problem. Längen? Hat sich doch gelohnt. Inszenierungsmängel? Hat doch noch die Kurve gekriegt.

Aber was, wenn der Twist, die überraschenden Wendung ein trockener Furz ist? Ein das ganze zuvor Gesehene mit einer übelriechenden Decke an Verunreinigung zuschüttendes Ärgernis?

Ein guter Film schließt mit einem in all seinem Willen zum Schockierenden absolut banalem und widerlichem Ende. Eine Unart moderner Zeiten.

Etwas, das wir nicht nur, aber auch einem Mann zu verdanken haben. Einem Mann, der es in seinem dritten Film geschafft hat zu überraschen, nur um in der Folge stets beim Versuch sich selbst zu kopieren bitter und hart auf die Fresse gefallen ist. Immer und immer wieder.

Und mit ihm so viele Andere.

Dabei haben es doch unter anderem Billy Wilder (Agatha Christie), Bryan Singer (Christopher McQuarrie), David Fincher (Andrew Kevin Walker), Gregory Hoblit (William Diehl) und Park-Chan Wook (Garon Tsuchiya)  richtig gut vor- und auch nachgemacht. So geht es doch. Dazu wurde schon so viel geschrieben

Sicher ist das Maß an Überraschung immer subjektiv. Aber schön ist es, wenn es mal wieder Filmchen gibt, die es schaffen mir den klassischen Anglizismus zu entlocken:

„what the fuck!“

The Artist

In drama, Kino, komödie, romantik on April 6, 2012 at 6:00 am

OT: the artist, FRA, BEL 2011 R, B: Michel Hazanavicius

Welche Konsequenz mag die Filmwelt aus dem großen und mehr als überraschenden Erfolg ziehen?

Wird uns jetzt eine Welle von schwarz/weiß- Filmen überrollen? Verzichten zukünftige Regisseure und Produzenten auf aufwendige Tonschnitte und -erzeugung? Droht einer ganzen Profession der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit? Braucht der kommerzielle Film bald keine Toningenieure mehr? Werden wir unsere vielgeliebten Synchronsprecher nur noch in drittklassigen Fernsehproduktionen sehen und hören können?

Wäre schade drum. Wie viel Spaß können doch gute, oder zumindest ausgefallene Synchronarbeiten bieten. Hill und Spencer verdanken ihre Karierre ja zu großen Teilen der deutschen Filmsynchronisation. Ebenso DIE ZWEI Großartigen (ein Vergleich sagt mehr als, naja tausend Worte).

Um es auf den Punkt zu bringen: Rainer Brandt!

Was für ein Held und Bösewicht gleichermaßen. So viele denkwürdige Zitate von ihm geschaffen, phantastische Schimpfworte, die aus seiner Feder flossen, so viel Irrsinn in die Welt gebracht. Und immerhin der Erfinder des Bauchredens und Hinterkopfmonologisierens im Film. Eine leuchtende Ikone meiner Kindheit. Und mein bestes Argument gegen die Originaltonmanie – und damit ein bißchen gegen mich selbst.

So gut, wie zu seiner Zeit waren Synchronarbeiten nie wieder. Vielleicht ist es deshalb auch nicht schade um deren drohenden Niedergang. Und auch die ein oder andere Stimme – egal ob synchronisiert, oder original – werde ich nicht vermissen.

Nur eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Die mir Angst macht und mir den Schlaf raubt.

 

Wird Till Schweiger jetzt doch noch eine Weltkarriere starten können?