filmgedanken

Archive for Oktober 2013|Monthly archive page

Escape – das Vermächtnis der Wikinger

In drama, thriller on Oktober 30, 2013 at 5:51 pm

 

escapeOT: Flukt

NOR 2012

R: Roar Uthaug

B: Thomas Moldestad

 

Wie leicht man sich doch täuschen läßt. Es ist manchmal wirklich beeindruckend. Über all die Jahre des meist stillen Konsums scheinen sich Betrachtungsweisen in einem verfestigt zu haben, die einem erst dann so richtig bewußt werden, wenn sie einen hinterrücks übertölpeln und mit aller Gewalt den Spiegel vorhalten.

Klischees sind ja im täglichen Sprachgebrauch etwas, was abschätzig genutzt wird um einem gegenüber – sei es Mensch, oder Werk – die immanente, verengte und verkrustete Weltsicht vorzuhalten.

Klischees erleichtern aber dem modernen Menschen auch den Umgang mit vielen kompliziert gewordenen Umständen, auf die er zwangsläufig stoßen wird, so er sich nicht ganz der Welt verschließt.

Klischees erlauben es einem simpel wirkende Sachverhalte schnell und ohne große Anstrengung abzuarbeiten und so Raum für die wichtig scheinenden Dinge und Entscheidungswege zu lassen.

Toll, wenn dann ein Filmchen daher kommt und den unbedarften Zuschauer – also mich – aufgrund von schlechter bis keiner Vorinformation im Regen aus zerspringenden Klischees stehen läßt.

Ist es einfach nur schlechtes Marketing, oder perfides Augenzwinkern der Erschaffer wenn alle halb aktiv aufnehmbaren Information zu Uthaugs Werk, wie Plakate, Cover und selbst Stills einen gänzlich anderen Eindruck über Handlung und Protagonisten vermitteln, als es der Film dann tut?

Advertisements

Gravity

In drama, Kino, thriller on Oktober 30, 2013 at 5:33 pm

gravityOT: Gravity

UK, USA 2013

R: Alfonso Cuarón

B: Alfonso Cuarón, Jonas Cuarón, George Clooney

 

Ich kann meiner zärtlichen Dauerbeziehung nicht genug danken, mich wieder auf den für mich erstrebenswerten Pfad der Tugend gebracht zu haben. Das Timing dafür hätte kaum besser sein können. Kaum auszudenken der verschnupfte Filmbetrachter, der ich sein kann hätte statt meiner diese Kinokarte gelöst. Nicht vorstellbar der über modern scheinende Kinotechnik die Nase rümpfende Kostverächter an meiner Linken hätte im Sessel gesessen. Aber beide haben Filmverbot und Kinoverbot sowieso.

Sollen die sich doch mit Drehbuchlücken und schmalzigen Enden herumschlagen. Umso besser für mich. Den kleingebliebenen und beeindruckbaren Filmnaivling. Dem bleiben Bilder. Bilder!

Nicht mal über Spannungserzeugung muß ich mich aufregen. Das übernehmen auch die Anderen. Was mich wie und warum in meinen Kinosessel drückt, mir den Atem stocken und die Augen übergehen läßt ist doch alleine mein Ding!

Ich lebe im Moment und nicht in den letzten Minuten von digitalen Inhalten. Kino ist und bleibt Magie! Mit durchschaubaren manipulativen Mitteln, aber das kann mir 90 Minuten lang doch wurscht sein. Soll Philip sich darum Gedanken machen.

Suspiria

In horror on Oktober 30, 2013 at 5:11 pm

suspiriaOT: Suspiria

GER, ITA 1977

R: Dario Argento

B: Thomas de Quincey, Dario Argento, Daria Nicolodi

Manchmal muß man sich in die Arme einer vergangenen Liebe flüchten, um eigene Verfehlungen und Fehlentwicklungen zu erkennen.

Man spürt das manchmal gar nicht. Man meint nur ein Gefühl davon zu haben, wie es sich langsam an einen heranschleicht. Dieses Gefühl all das schon gesehen, erlebt und vorgesetzt bekommen zu haben. Die Gleichgültigkeit. Das Überhebliche. Zum Gähnen.

Dieses Gefühl umfängt einen Filmbetrachter irgendwann. Es scheint fast eine logische Konsequenz aus seinem Überkonsum zu sein. Und ehe er sich versieht, ist er zu dem geworden was er nie sein wollte. Ein snobbistischer Nörgler, dem sich die wunderbare Magie der sich bewegenden Bilder zu verschließen droht.

Wie simpel und durchschaubar hat man sich noch in Kindes- und Teenagerjahren verzaubern lassen von billigen Taschenspielertricks. Von den Manipulationsversuchen der Regisseure, der Musiker und Kulissenbauer. Ein kleiner Japaner in einem Anzug aus Gummi und Stoff ließ mich juchzen und trug das seine dazu bei mich für zwei Stunden in eine andere Welt zu entführen. Wo sind denn diese Zeiten hin?

Warum mache ich es mir selbst so schwer diese kindliche, ja naive Freude am Film an sich zu empfinden?

Nun bin ich erwachsen und damit in einen Zustand des Überkritischen und Sezierenden übergegangen. Das ist schade, aber verdammt nochmal keine Entschuldigung.

Ich möchte wieder zurück!

Ich möchte wieder beeindruckt werden. Und ich werde das auch durchziehen. Es mag ein schwieriger Weg werden. Ein Weg voller Hindernisse und Unverständnis. Aber das ist mir egal. Ich möchte wieder umgeblasen werden. Dem Zauber wieder verfallen. Die Augen sollen getäuscht werden. Dem Grand Guignol auf den Leib gehen.

Dazu will ich aber nicht zehn Jahre auf einen sogenannten Jahrhundertfilm warten müssen. Ich lasse mich jetzt wieder vom einfachen Kintopp überwältigen. Danke ihr Kinojuppies, ihr akademisch Betrachtenden und Cineasten. Ich kehre dann mal zu mir selbst zurück!